WUNDERSAME faszinierende Begegnungen zwischen Kunst und Natur

Kelbassa`s Panoptikum zu Gast im Botanischen Garten vom 12. August bis 3. September 2006

Aus einem dichten Polster saftig-grüner Farne und gerahmt vom schützenden Blattwerk umstehender Büsche und Bäume ragt eine gewaltige Blütenknospe empor. Die Kelchblätter schon leicht geöffnet, reckt sich das ebenso seltsame wie imposante Gewächs dem erstaunten Betrachter entgegen. Was für eine Blütenpracht mag wohl erst aus dieser wunderlichen Knospe hervorgehen? 

 

Wie das Geschöpf aus einer anderen Welt erscheint diese Pflanze, doch sie ist kein wirkliches Gewächs, sondern ein Produkt der Fantasie - ein Kunstwerk. Und dennoch weist sie vertraute Merkmale ihrer natürlichen Artgenossen auf. Detlef Kelbassa und Corinna Kuhn lieben das Spiel mit den Realitätsebenen. Den Besuchern der Ausstellung WUNDERSAME im Botanischen Garten Düsseldorf verspricht das Künstlerduo aus Oberhausen faszinierende Begegnungen zwischen Kunst und Natur. Ein Rundgang, ausgehend von der Orangerie, lädt ein zu einer wundersamen Entdeckungsreise auf den Spuren außergewöhnlicher Lebensformen. In den Beeten zwischen echten Pflanzen tummeln sich „Augentiere“, „Blütenrüssler“, „falsche Orchideen“ und andere Kreaturen aus „Kelbassa’s Panoptikum“. „Biomorphe“ bilden den Schwerpunkt dieser „naturkundlichen“ Sammlung - geheimnisvolle Mischwesen aus Tier und Pflanze. Der Farben- und Formenvielfalt sind keine Grenzen gesetzt. Da gibt es vogelähnliche Wesen, die sich nach Pflanzenart durch Photosynthese ernähren und prachtvolle Blumen mit furchterregenden Krakenarmen oder lauernden Augen. In dieser von Künstlerhand geformten „Zoobotanik“ drückt sich ein bestimmtes Verhältnis zwischen Mensch und Natur aus. Nicht selten gehen Faszination und Furcht vor dem unbekannten Wesen Hand in Hand. „Wenn wir uns Filmfiguren wie Godzilla oder King Kong anschauen, dann sind diese Monster nichts anderes als Manifestationen eines Naturgefühls. Natur wird von vielen Menschen als etwas Bedrohliches angesehen, das man bekämpfen muss. Das fängt schon beim Unkraut im eigenen Garten an. Uns geht es darum, der Natur mit Respekt zu begegnen, ihr auf gleicher Augenhöhe entgegen zu treten“, sagt Detlef Kelbassa. WUNDERSAME lädt ein, bewusster hinzuschauen und sich auseinander zu setzen: mit ästhetischen Formen, der biologischen und künstlerischen Vielfalt und ihrer Erhaltung. Kelbassa ist seit vielen Jahren leidenschaftlicher Hobbybotaniker. In der Natur holt er sich die Anregungen für seine Skulpturen aus Pappmaché und Keramik. In einem Skizzenbuch, das an Naturdokumentationen früherer Jahrhunderte erinnert, bewahrt der Künstler weit über 400 Entwürfe auf, von denen viele bereits plastische Gestalt angenommen haben. Seit dem Jahr 2000 arbeitet Kelbassa zusammen mit Corinna Kuhn am „Panoptikum“. Die kreative Wunderkammer wächst seitdem immer weiter. Die „Biomorphe“ werden nicht nur gesammelt, sondern auch „wissenschaftlich“ dokumentiert. In unregelmäßigen Abständen erscheint das „Zoobotanische Bulletin“, das über jüngste „Entdeckungen“ berichtet, sowie Herkunft, Form und Lebensweise neuer „Arten“ beschreibt. Die Ernsthaftigkeit, mit der zum Beispiel ein Gewächs namens „Amphora furiosa“ als wahre Rauschpflanze der mythischen Berserker vorgestellt wird, führt gelegentlich zu Irritationen. Der Übergang zwischen Wahrheit und Erfindung ist fließend. Das ist Teil des Konzepts. „Die Biomorphe verweisen durch ihre Phantastik wieder auf das Reale“, erklärt Kuhn. Der Botanische Garten ist für die beiden Künstler der ideale Ausstellungsort, denn hier kommt es zu einer direkten Begegnung zwischen Kunst und kultivierter Natur in Form eines Gartens, dessen pflanzliche Bewohner ebenso exotisch sind wie ihre Verwandten aus Künstlerhand. Die Orangerie verwandelt sich in eine „Brutstätte“ der „Wundersamen“, die sich schwebend oder rankend dem Gartenbesucher präsentieren. Auf dem Freigelände entstehen „Biotope“ auf Zeit, in denen sich Kunstobjekte mit der eigentlichen Bepflanzung des Botanischen Gartens mischen. Überdimensionale, fantastisch-bunte Pflanzenobjekte ziehen schon von weitem den Blick auf sich, während andere erst beim genauen Hinsehen im Grün der Staudenbeete zu entdecken sind. 

Cornelia Krsák 

Adresse

Botanischer Garten

Heinrich-Heine-Universität Universitätsstr. 1
Gebäude: 29.01
40225 Düsseldorf

Direktor

Prof. Dr. Peter Westhoff

Entwicklungs- und Molekularbiologie der Pflanzen
Gebäude: 26.03
Etage/Raum: 02.34
Verantwortlich für den Inhalt: E-Mail sendenBotanischer Garten